Gewährleistung stabiler Implantat- und Prothetikbedingungen

Im Gespräch mit Dr. Alexander Müller-Busch M.Sc.


  • Erlebnisse bei einem Hilfseinsatz in Nepal

  • Bone stands hard, but the soft tissue is the guard

  • Prävention: ein zentraler Bestandteil der Implantologie

  • Sichtbarkeit von Implantaten aufgrund von Zahnfleischrückgang

  • Sicherstellung der langfristigen Stabilität von Implantaten

  • Zahntechniker aktiv in die Behandlungsplanung einbeziehen

          

Dr. Alexander Müller-Busch M.Sc.

Leitender Zahnarzt bei "Dr. Müller-Busch & Kollegen" in Ingolstadt

Nürnberger Str. 34, 85055 Ingolstadt, Germany

Im Gespräch mit Dr. Alexander Müller-Busch


 
 

Zahnimplantate sollen im Idealfall ein Leben lang halten. Es reicht nicht aus, dass sie eine starke Osseointegration aufweisen; sie müssen stabil bleiben und ein Leben lang halten. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Hindernis für den Erfolg von Zahnimplantaten über die Osseointegration hinaus auf die Stabilität des Weichgewebes verlagert. Schließlich :Bone stands hard, but the soft tissue is the guard!

Unser Team von Zircon Medical hatte kürzlich Dr. Müller-Busch, einen Spezialisten für Parodontologie und Implantologie aus Deutschland, in unserem Podcast zu Gast, um seine Erkenntnisse zu teilen und darüber zu sprechen,wie optimale und stabile Implantat- und Prothetikbedingungen gewährleistet werden können. 

Dr. Müller-Busch, Leitender Zahnarzt einer Zahnarztpraxis in Ingolstadt, Deutschland, stellt sich vor

Dr. Alexander Müller-Busch ist der leitende Zahnarzt seiner Praxis "Dr. Müller-Busch & Kollegen" in Ingolstadt, Deutschland. Die Praxis wurde von seinem Vater gegründet und 2013 stieg er in die elterliche Praxis ein. Er hat sich auf Parodontologie und Implantologie spezialisiert und ist ein erfahrener Referent bei Fortbildungsveranstaltungen.

Dr. Müller-Busch sagt, er habe sich in seiner jungend zur Zahnmedizin hingezogen gefühlt, weil sie ihm die ideale Kombination aus Menschen zu helfen und finanzieller Sicherheit bot. Ursprünglich kamen für ihn zwei Berufe in Frage: Polizist oder Zahnarzt. Er entschied sich aber für die Zahnmedizin, da er im Abitur sehr gute Noten hatte und er so gute Voraussetzungen sah, das Studium erfolgreich zu absolvieren. Die Realität in der Zahnmedizin entspreche nicht seinen Erwartungen, die er mit 16 oder 17 Jahren gehabt habe, jedoch sei sie in Realität noch besser, sagt er.

Erlebnisse bei einem Hilfseinsatz in Nepal

Dr. Müller-Busch nahm kürzlich an einem Hilfseinsatz an der Kantipur English School in Kathmandu, Nepal, teil. Im Rahmen seines Einsatzes behandelte er Hunderte von Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 3 und 16 Jahren. Auf die Frage nach seinen Erfahrungen in Nepal antwortet Dr. Müller-Busch, dass diese Erfahrung sehr prägend war.

Organisiert wurde der Hilfseinsatz von Dental Volunteers, einem gemeinnützigen Verein, der von einer Zahnärztin aus dem Raum Tegernsee gegründet wurde und weltweit Hilfseinsätze koordiniert. Dr. Müller-Busch sagt, der Hilfseinsatz sei ziemlich spontan gewesen, wobei der Wunsch nach einem Hilfseinsatz in Nepal schon länger bestand.Begleitet wurde er von seiner Frau und seiner Schwiegermutter, die maßgeblich an der Organisation der Veranstaltung beteiligt war.

Dr. Müller-Busch verbrachte anderthalb Wochen in dieser Kantipur-Schule und behandelte Kinder im Alter von 3 bis zu 16 Jahren. Sie führten hauptsächlich konservative Behandlungen durch, wie zahnärztliche Untersuchungen, Füllungen, endodontische Behandlungen und das Ziehen von Milchzähnen. Darüber hinaus konzentrierte er sich auf die Prävention, die Aufklärung, das Verteilen von Zahnbürsten und das einfache Zeigen der richtigen Zahnputztechnik. Seinen ursprünglichen Plan, die gesamte Schule zu sanieren, haben sie auch geschafft.

Dr. Müller-Busch wies auch auf den Mangel an grundlegendem Bewusstsein für die Mundgesundheit hin, dem die Tatsache gegenübersteht, dass Kinder an fast jeder Straßenecke Schokolade und Süßigkeiten kaufen können. In Kombination mit einer schlechten Mundhygiene führte die leichte Verfügbarkeit von Süßigkeiten zu schrecklichen Bedingungen für die langfristige Mundgesundheit der Kinder. Er tat zwar alles, was in seiner Macht stand, aber er war erstaunt, wie viel mehr in diesem Bereich getan werden muss. 

Bone stands hard, but the soft tissue is the guard

"Wenn man alle fünf Jahre den Standort wechselt, hat man nahe zu keine Misserfolge, da die meisten prothetischen Restaurationen tatsächlich fünf Jahre halten. " Mit diesem Zitat leitete Dr. Müller-Busch die Frage nach den wissenschaftlichen Kriterien für den langfristigen Erfolg von Zahnimplantaten ein. Er erläuterte, dass der wahre Erfolg einer Behandlung nicht nur an den unmittelbaren Ergebnissen gemessen werden sollte. Er sei froh, zunächst in der Zahnarztpraxis seines Vaters gearbeitet zu haben, denn dort habe er das nötige Fachwissen ohne große Fehltritte erwerben können. 

Dr. Müller-Busch sagt, dass die Patientenaufklärung eine wesentliche Komponente für den Erfolg von Implantaten und prothetischen Restaurationen sei. Es ist wichtig, dem Patienten zuzuhören und herauszufinden, was man erreichen kann und was der Patient möchte, und ihm die Notwendigkeit der unterschiedlichen Behandlungsoptionen zu vermitteln, die dem Patienten vielleicht nicht notwendig erscheinen. Der Zahnarzt muss auch einige orale Parameter für erfolgreiche Implantate sicherstellen, wie zum Beispiel stabile Hart- und Weichgewebe. Der Patient muss über ein ausreichendes Knochenangebot verfügen - sowohl vertikal als auch horizontal. Außerdem muss keratinisierte bzw. befestige Gingiva sowie eine ausreichende Gingivadicke vorliegen.

Auch das Design der Prothetik trägt zum Erfolg der Implantate bei. Der Patient muss in der Lage sein, die Prothetik, ob festsitzend oder herausnehmbar, selbst zu reinigen. Dr. Müller-Busch zitiert auch ein Zitat aus einer systematischen Übersichtsarbeit von Prof. Dr. Stefan Fickl – Bone stands hard, but the soft tissue is the guard.

Dieses Zitat unterstreicht, dass das Weichgewebe und der Weichgewebeverschluss eine Grundvoraussetzung für den Langzeiterfolg von Implantaten ist, weil da Weichgewebe das Eindringen von Bakterien verhindert und damit das Risiko periimplantärer Komplikationen minimiert.

Schließlich gibt es, wie Dr. Sofia Karapataki in einer unserer früheren Podcast-Folgen sagte , nicht den idealen Zahnimplantat-Patienten. .

Prävention: ein zentraler Bestandteil der Implantologie

Dr. Müller-Busch sagt, dass die Prävention ein wesentlicher Bestandteil seiner Implantatbehandlungen ist. Oftmals bestimmt die Osseointegration die Überlebensrate ("Survival") von Zahnimplantaten, sagt er. Wenn ein Patient jedoch eine Gingivarezession von 5 bis 10 Millimetern aufweist, kann die Behandlung nicht als "Survival" gewertet werden. Bei der Behandlung von Dr. Müller-Busch dreht sich daher alles um die Vorbeugung und die Sicherstellung, dass Bakterien nicht in den Spalt zwischen dem Weichgewebe und der Implantatoberfläche gelangen, was nur mit einem adäquat angrenzenden Weichgewebe möglich ist.

Sichtbarkeit von Implantaten aufgrund von Zahnfleischrückgang

Dr. Müller-Busch veröffentlichte kürzlich einen Artikel in der Zeitschrift Dental Implantology&Periodontology, in dem der Fall einer 26-jährigen Patientin erörtert wurde, der aufgrund schlecht gesetzter Implantate ein äußerst ungünstiges ästhetisches Ergebnis zur Folge hatte. Der Rückgang des Knochens und nachfolgend des Weichgewebes, hatte dazu geführt, dass die darunter liegenden Titanimplantate sichtbar wurden, weshalb später eine Implantatextraktion durchgeführt werden musste. Dr. Müller-Busch erörtert die Details dieses Falles, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, optimale Bedingungen für die Implantatinsertion zu schaffen, um das Risiko eines Zahnfleischrückgangs zu minimieren.

Die Patientin hatte zuvor zwei Implantate in den Regionen 21 und 22 erhalten, wobei die umliegenden Regionen 11 und 23 waren gesund. Die Titanoberfläche der Implantate war von vorne sichtbar, wenn die Patientin lächelte. Im Rahmen der Behandlung der Patientin entferneten die Behandler die sichtbaren Implantate und bauten das darunter liegende Hart- und Weichgewebe auf. Sie verwendeten Weichgewebetransplantate, um das Volumen des Weichgewebes zu vergrößern und der Region die Möglichkeit zu geben, zu heilen. Schließlich ersetzten sie die fehlenden Zähne durch eine temporäre Brücke.

Die Patientin war eine Zeit lang mit der Maryland-Brücke zufrieden, entschied sich dann aber für eine weitere implantologische Behandlung. Bevor die weitere Behandlung durchgeführt wurde, untersuchten der Zahnarzt und der Zahntechniker gemeinsam die Ursache für den ersten fehlgeschlagenen Eingriff. Sie erkannten, dass der vorherige Eingriff wahrscheinlich zu einem ungünstigen Ergebnis geführt hatte, weil zu wenig Platz für zwei Implantate vorhanden war. Anstatt zwei Implantate zu setzen, setzte er ein Implantat mit einer konventionellen Brücke ein und er setzte so beide fehlenden Zähne durch nur ein Implantat.

"Manchmal", sagt Dr. Müller-Busch, "ist weniger mehr. "

Sicherstellung der langfristigen Stabilität von Implantaten

Dr. Müller-Busch sagt, er konzentriere sich in jeder Planung auf die Langlebigkeit der durchzuführenden Behandlung. Nach der Extraktion eines Zahns sorgt er für eine gute Darstellung der Alveole und stellt sicher, dass ausreichend adäquater Knochen vor der Implantatoperation  ist. Das Ziel des Weichgewebes ist es, die darunter liegende Knochenstruktur zu schützen, daher sorgt er dafür, dass seine Patienten ein dickes und gesundes Weichgewebe haben. Er sorgt auch dafür, dass die endgültige Versorgung vom Patienten leicht gereinigt werden kann.

Dr. Müller-Busch fertigt ein Jahr post implantationem ein Röntgenbild an, das als Baseline-Röntgenbild und zum späteren Vergleich dient. Er röntgt nicht jedes Jahr, sondern nur dann, wenn es Anzeichen für Komplikationen gibt. Ansonsten führt er, wie in der Parodontologie, regelmäßige Sondierungen durch, um die Gesundheit des Implantats zu bestimmen. Auch wenn äußerlich alles gut aussieht, führt er regelmäßige Sondierungen durch, um sicherzustellen, dass keine periimplantären Erkrankungen vorliegen.

Zahntechniker aktiv in die Behandlungsplanung einbeziehen

Dr. Müller-Busch sagt, dass die Rolle der Zahntechniker zu unterschätzt wird. Für einen optimalen langfristigen Implantaterfolg müssen die Zahntechniker konsultiert werden und ihre Meinung frei äußern dürfen. Der Erfolg des Implantats hängt auch davon ab, wie die Prothetik angefertigt wird. In der Praxis von Dr. Müller-Busch wird die enge Zusammenarbeit mit dem zahntechnischen Labor großgeschrieben.Darüber hinaus sollten Zahnärzte/Zahnärztinnen heute alle Möglichkeiten der digitale Technologien nutzen, um die Zahntechniker stärker mit ins Team einzubinden.

Sie können mehr über Dr. Müller-Busch und seiner Praxis auf der offiziellen Webseite erfahren.  Sie können ihn auch auf Instagram oder LinkedIn kontaktieren oder sich für seinen Workshop anmelden unter https://www.dr-mueller-busch.de/veranstaltungen-fortbildungen.html.You Sie können sich das gesamte Gespräch in der neuesten Folge des Zircon Medical Podcasts anhören.



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