Effiziente Zusammenarbeit zwischen Überweisern, Spezialisten und Dentallaboren

Im Gespräch mit Dr. Thomas Fiege

 

  • Kommunikation zwischen Zahnärzten und Dentallaboren

  • Einbindung der Zahntechniker in den Planungsprozess

  • Effektive Kommunikation mit externen Dentallabors

  • Virtuelle Brillen können die Kommunikation mit externen Teams weiter verbessern

  • Gemeinsame Nutzung von Patientendaten in einer digitalisierten Welt

          

Dr. Thomas Fiege

Inhabereiner Zahnarztpraxis in Brakel, Deutschland

Am Thy 2, 33034 Brakel, Deutschland

Im Gespräch mit Dr. Thomas Fiege

 
 

Die Digitalisierung sorgt für tiefgreifende Veränderungen in der Ärzteschaft. Dank fortschrittlicher Technologien können Zahnärzte jetzt Dentallabore besser in ihre Praxis integrieren, sich mit überweisenden Ärzten beraten und den gesamten medizinischen Hintergrund des Patienten nahtlos verfolgen. Allerdings steckt die Digitalisierung in der Zahnmedizin noch in den Kinderschuhen und hat noch einen langen Weg vor sich. Dr. Fiege hat seinen Einblick in die digitalisierte Zahnmedizin beigesteuert, um deren Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Unser Team von Zircon Medical hatte kürzlich Dr. Fiege, den Inhaber einer Zahnarztpraxis in Brakel, zu Gast in unserer Podcast-Reihe, um über die Rolle der Digitalisierung in Dentallaboren, die Kommunikation und den Austausch von Patienteninformationen zu sprechen.

Dr. Thomas Fiege, Inhaber einer Zahnarztpraxis in Brakel, Deutschland, stellt sich vor

Dr. Thomas Fiege ist Zahnarzt und Inhaber einer Zahnarztpraxis in Brakel, Deutschland. Er schloss sein Studium der Zahnmedizin an der Universität Jena im Jahr 2008 ab und absolvierte anschließend eine Facharztausbildung in der Radiologie.

Dr. Fiege sagt, er habe immer gewusst, dass er Zahnarzt werden wollte, weil sein Vater auch einer ist. Er zog jedoch kurzzeitig Mathematik in Betracht, als er sie in seinem ersten Semester nach der High School studierte. Das Fach gefiel ihm zwar, aber die Berufsaussichten, die es bot, gefielen ihm nicht. "Ich konnte mir nicht vorstellen, im Allianz-Tower (einer Versicherungsgesellschaft) das Risiko zu berechnen, dass ein Familienvater im Alter von 43 Jahren von seinem Skateboard stürzt und einen möglichen Versicherungsschaden verursacht. ”

Dr. Fiege entschied sich schließlich für ein Studium der Zahnmedizin in München, da er sich von der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit dieses Faches angesprochen fühlte. Natürlich räumt er ein, dass die Selbstständigkeit ihre Tücken hat, vor allem was die Mitarbeiterführung angeht, aber er zieht sie dennoch dem klassischen Angestelltenverhältnis vor. Außerdem reizt ihn die Freiheit, die Strukturen in seiner Praxis verändern zu können, um sie digitaler und moderner zu gestalten. Ihm gefällt diese Kontrolle.

Auch wenn Dr. Fiege nicht aktiv im Bereich der Mathematik arbeitet, so sagt er doch, dass sie sein Denken beeinflusst hat. Er nennt die Mathematik die "Suche nach Strukturen" und glaubt, dass er entscheidende Fähigkeiten in sein Berufsleben importieren kann, die es ihm ermöglichen, effektive Strukturen für seine Arbeit und seine Praxis zu konstruieren. Deshalb lernt er weiterhin über YouTube-Videos etwas über Mathematik, auch wenn es nicht sein Hauptberuf ist.

Kommunikation zwischen Zahnärzten und Dentallabors

Vor über 30 Jahren richtete der Vater von Dr. Fiege ein Labor in der Praxis ein, weil dies die einzige Möglichkeit war, zu expandieren. Aufgrund der damaligen Vorschriften durften sie nicht viele Zahnärzte einstellen, was sie an einer Expansion hinderte. Daher expandierten sie mit einem Dentallabor und Technologien. Die Patienten sehen das positiv und vertrauen ihnen, weil sie einen engen Zugang zu ihren Zahntechnikern haben.

Aufgrund der räumlichen Nähe zwischen der Zahnklinik und dem Labor ist der Arbeitsablauf ziemlich kollaborativ. In einer herkömmlichen Praxis würde der Zahnarzt die digitalen oder analogen Abdrücke an das Labor schicken und darauf warten, dass der Techniker die Endprodukte zurückschickt. In der Zahnklinik von Dr. Fiege sind die Techniker jedoch aktiv an der Auswahl des Materials, des Bonding-Typs, der Arbeitsabläufe und anderer Aspekte des Arbeitsablaufs beteiligt.

Dr. Fiege sagt auch, dass ein eigenes Dentallabor die Korrespondenz und den Datenfluss verbessert. Viele Dentallabore und Unternehmen haben die digitalen Systeme nicht richtig etabliert, und viele arbeiten noch mit offenen Systemen, was den Datenfluss einschränken und analoges Arbeiten erzwingen kann. Durch das eigene Dentallabor können sie sich jedoch eines optimalen Datenflusses und Schriftverkehrs sicher sein, was wiederum den Arbeitsprozess beschleunigt.

Dr. Fiege arbeitet auch asynchron mit seinen Labortechnikern zusammen. Er muss die Techniker nicht in seine Behandlungsräume rufen, sondern kann ihnen digitale Abdrücke über die Cloud schicken. Außerdem nutzen sie Microsoft Teams, um direkt zu kommunizieren und miteinander in Kontakt zu bleiben. Dr. Fiege ist sichtlich stolz darauf, dass sie die ersten waren, die einen Laborscanner in der Zahnklinik einführten, lange bevor einige der größeren kommerziellen Labore damit begannen.

"Ich würde sagen, dass wir technologisch führend sind", betonte Dr. Fiege. "Das ist für mich ganz klar, und deshalb setzen wir diese Systeme auch intensiv ein. ”

Einbindung der Zahntechniker in den Planungsprozess

Dr. Fiege sagt, dass das Dentallabor einen großen Einfluss auf den Planungsprozess hat. Der Techniker betritt den Behandlungsraum und spricht mit dem Patienten - das Verständnis für die Persönlichkeit des Patienten hilft ihm, die ideale Prothetik zu kuratieren, einschließlich der Zahnstellung und -form. Je nach Patient kann er bestimmen, ob dieser spitzere Eckzähne oder einen hervorstehenden Schneidezahn benötigt. Das Wissen um diese Faktoren hilft dem Dentallabor, das richtige Gebiss herzustellen.

Dr. Fiege sagt, dass er immer einen Rundgang durch seine Praxis macht und das Labor besucht, bevor er den Tag beendet. Er sieht sich die Arbeit der Techniker an und bespricht sie mit ihnen, was auch dafür sorgt, dass sich die Techniker in die Praxis eingebunden fühlen. Als Praktiker", sagt Dr. Fiege, "muss man sich zwingen. "Man muss sich zwingen, die technische Perspektive als gleichwertig anzuerkennen und darauf einzugehen. Aber ich habe die medizinische Gesamtverantwortung. ”

Laut Dr. Fiege geht es bei der Anerkennung des Inputs des Technikers um mehr als nur um eine Bestätigung - er hat einen erheblichen Einfluss auf die Arbeit. Er ist der Meinung, dass es in seiner Verantwortung liegt, eine offene und kommunikative Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Techniker wohl fühlt, wenn er seiner Meinung widerspricht. Andernfalls kann es passieren, dass der Techniker sich nicht wohl dabei fühlt, wenn er sagt, dass etwas nicht möglich ist oder dass es besser anders gehandhabt werden sollte. Eine offene Kommunikation ist also unerlässlich.

Um den Wert einer offenen Kommunikation zu verdeutlichen, führte Dr. Fiege die Luftfahrtindustrie als Beispiel an. "Die Fluggesellschaften haben das Crew Resource Management eingeführt, als sie erkannten, dass die meisten Abstürze nicht auf technisches, sondern auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Denn die Stewardess hat zum Beispiel nicht den Mut, nach vorne zu gehen und zu sagen, dass es im hinteren Teil des Flugzeugs komisch riecht und raucht. Co-Leadership ist für die Risikominimierung und den Informationsaustausch unerlässlich. ”

Obwohl es wichtig ist, den Zahntechnikern zuzuhören, betont Dr. Fiege, dass die letzte Verantwortung bei ihm liegt. Er gibt seinem Team den Raum, ihre Meinungen und Meinungsverschiedenheiten zu äußern, aber die endgültige Entscheidung muss der Arzt treffen. Das liegt daran, dass einige dieser Entscheidungen aus medizinischer Sicht und nicht aus technischer Sicht getroffen werden müssen. Der Zahntechniker weiß auch, dass der Zahnarzt am Ende die Verantwortung trägt.

"Wenn etwas schief geht", sagt Dr. Fiege, "kann ich nicht dem Techniker die Schuld geben. Es muss klar sein, dass der Arzt oder Chef vor seinem Team und dem Patienten steht und die ganze Verantwortung und Schuld auf sich nimmt. "Das kann dem Zahnarzt auch helfen, die Loyalität seines Teams zu gewinnen - sie sehen, dass der Zahnarzt eine aufrechte Person ist, und sie werden eher in der Lage sein, ihre Meinung zu äußern. Dies fördert ein Umfeld gesunder Debatten und Zusammenarbeit. 

Effektive Kommunikation mit externen Dentallabors

Dr. Fiege sagt, dass sie oft mit externen Dentallaboren zusammenarbeiten, insbesondere wenn sie Bohrschablonen für implantologische Fälle benötigen, die sie nicht selbst herstellen. Diese Kommunikation erfolgt in der Regel über Microsoft Teams. So kann er die Zahntechniker per Video sehen und visuelle Daten austauschen. Er zieht die Videokommunikation dem Austausch von PDFs oder E-Mails vor.

Dr. Fiege empfiehlt dringend, die digitalen Technologien zu nutzen, um sich zu sehen und persönlicher zu kommunizieren. Er rät auch dazu, sich auf einer persönlichen Ebene kennenzulernen und ein oder zwei Minuten lang über andere Themen als die Arbeit zu sprechen. Das fördert das zwischenmenschliche Vertrauen und die Kommunikation und ermöglicht es jedem Einzelnen, die Sichtweise des anderen zu erkennen. Das führt am Ende immer zu besseren Ergebnissen.

Es ist zwar nicht notwendig, sich jede Woche zu treffen, aber Dr. Fiege sagt, dass es wichtig ist, sich mindestens einmal in sechs Monaten oder einmal im Jahr mit den Zahntechnikern vor Ort zu treffen. Bei diesen Treffen kann der Zahnarzt auch seine Daten und Informationen besprechen, wie z. B. Röntgendiagnostik, digitale Modelle, Videos des Patienten usw. Dr. Fiege ist sich der Problematik des Datenschutzes bewusst, ist sich aber auch sicher, dass der Patient den Erfolg der Behandlung immer über die Daten stellen wird.

Virtuelle Brillen können die Kommunikation mit externen Teams weiter verbessern

Dr. Fiege ist begeistert von den zunehmenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Er sagt, dass er an einem Projekt arbeitet, bei dem die virtuelle Brille HoloLens 2 von Microsoft es den Teammitgliedern außerhalb des Unternehmens ermöglicht, Dinge mit ihren Augen zu sehen und wahrzunehmen. Außerdem können sie damit Hologramme in den Raum projizieren. So können er und seine Kollegen in anderen Bereichen die gleichen Daten visualisieren. Sein Gegenüber muss lediglich die 3D-Brille aufsetzen, um Zugang zu Dr. Fieges Wahrnehmung zu erhalten.

Virtuelle Brillen werden bereits bei Herzoperationen während der Zeit des Coronavirus in London eingesetzt. Ärzte und Mediziner können bequem in ihren eigenen Räumen sitzen, ohne Schutzanzüge tragen zu müssen, und einem Arzt folgen, der alle Stationen besucht. So muss nur ein Arzt die Stationen besuchen, und die anderen können ihm einfach über eine virtuelle Brille folgen. Sie können nicht nur dem Arzt folgen, sondern auch Diagnosedaten importieren.

Dr. Fiege verweist auf mehrere andere potenzielle Einsatzmöglichkeiten für virtuelle Brillen. Bei der Durchführung komplexer Operationen und Eingriffe könnten Studenten und andere Zahnärzte den Eingriff gleichzeitig mit den Augen des Chirurgen beobachten, ohne sich um ihn herum zu drängen. Auch in großen Universitätskliniken kann es von Vorteil sein, wenn ein erfahrener Kollege oder Chefarzt den jüngeren Chirurgen aus der Ferne beobachten kann.

Dr. Fiege räumt ein, dass diese Zukunftsvision nicht sofort umgesetzt werden wird, aber sie wird sich schneller durchsetzen, als die meisten Menschen sich vorstellen können. "Ob Marketing, soziale Medien, Softwarelizenzen oder Kosten, wir bewegen uns einfach von einer Hardware- zu einer Software-Welt", fasst Dr. Fiege seine Einschätzung zusammen.

Gemeinsame Nutzung von Patientendaten in einer digitalisierten Welt

In Deutschland können überweisende Ärzte dank der elektronischen Gesundheitskarte und der Gesundheitstelematik zunehmend auf aktuelle Patientendaten zugreifen. Sobald der Patient die Gesundheitskarte in der Praxis vorlegt, erhält der Zahnarzt sofort Zugriff auf die Krankengeschichte des Patienten. Dies erleichtert zwar den rationellen Informationsaustausch, wird aber wegen möglicher Datenschutzverletzungen und mangelndem Datenschutz auch kritisiert, betont Dr. Fiege.

Dr. Fiege ist auch der Meinung, dass die meisten Zahnärzte der Digitalisierung einfach abgeneigt sind. Seiner Meinung nach sollte die Medizin schon so weit sein, dass der Austausch von Röntgenbildern unter Einhaltung fairer Datenschutzstandards möglich ist. Er möchte, dass relevante medizinische Informationen im Voraus verfügbar sind, damit sie sofort in das System eingegeben werden können. Das ist in Form von digitalen Formularen auf der Website bereits der Fall, aber Dr. Fiege ist der Meinung, dass es noch viel schlanker sein kann.

Laut Dr. Fiege beginnt das zahnmedizinische Erlebnis eines Patienten lange bevor er das Wartezimmer der Praxis betritt. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung werden die Patienten ständig mit Informationen bombardiert. Deshalb müssen sich Zahnarztpraxen darauf konzentrieren, das zahnmedizinische Erlebnis über die Klinik hinaus zu erweitern und den Patienten schon vor der Terminvereinbarung in die Praxis zu holen. Dies kann durch Design, Farben und die Sprache der Praxis erreicht werden.

Während die elektronische Gesundheitsakte den Informationsaustausch sicherlich vereinfacht, glaubt Dr. Fiege, dass er bald beschleunigt werden wird. Nach den neuen Parodontitis-Leitlinien ist der Langzeitwert des HbA1c-Wertes jetzt für die Therapieentscheidung relevant. Das bedeutet, dass Zahnärzte Zugang zur Krankengeschichte des Patienten haben müssen, wofür sie den Hausarzt des Patienten konsultieren müssen. Sie müssen jedoch einen digitalen Weg finden, um den Zugang zu genauen Informationen zu gewährleisten, ohne die anderen Ärzte des Patienten anrufen zu müssen.

Dr. Fiege hat ein klares Ziel für seine Zahnarztpraxis. Er möchte seine Praxis noch viel umfassender digitalisieren, als sie es derzeit tut. Es mag den Anschein haben, dass sie bereits viel tun, aber sie haben noch einen weiten Weg vor sich, sagt er. Anstatt darauf zu warten, dass sich die digitalen Veränderungen durchsetzen, und dann zu versuchen, den Rückstand aufzuholen, möchte er seine Zahnarztpraxis konsequent weiterentwickeln und gleichzeitig seine Mitarbeiter für diese Entwicklungen schulen.

Sie finden Dr. Fiege in seiner Zahnarztpraxis Am Thy 2 in Brakel, oder Sie können ihn über die 
professional website der Zahnklinik kontaktieren. Sie können ihn auch in unserem Zircon Medical-Podcast hören.

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