Beispielloser Implantaterfolg durch Langzeitstudien belegt

Ein Interview mit Dr. Wolfgang Winges, Bad Hersfeld

Über die Entwicklung des Patent™ Implantatsystems  

Steigende Fälle von Spätkomplikationen wie Periimplantitis zeigen, dass Implantaterfolg heute langfristig gedacht und die Gewebegesundheit nach mehr als zehn Jahren Funktion beurteilt werden muss. Mit dem Ziel, eine langzeitgesunde und funktionale Zahnersatz¬lösung zu erschaffen und dabei die Fallstricke insbesondere von verschraubten Implantatsystemen zu eliminieren, hat Dr. Wolfgang Winges gemeinsam mit Dr. Johan Feith das Patent™ Implantatsystem erfunden. Im folgenden Interview spricht der in Bad Hersfeld ansässige Implantologe über die Entwicklung des Patent™ Systems sowie dessen wissen¬schaftlich belegten Langzeiterfolg.

 



                Herr Dr. Winges, Sie zeichnen für die Entwicklung des Patent™ Implantatsystems mitverantwortlich. Welche Langzeitergebnisse können Sie damit beobachten? 

                Ich implantiere nun seit 34 Jahren und das Patent™ Implantat habe ich seit 2004 im klinischen Einsatz. Die Langzeitergebnisse, die ich damit beobachte, sind deckungsgleich mit den Erkenntnissen aus der 9-Jahresstudie der Universität Düsseldorf: Ich sehe bei vielen Implantaten einen Knochenzugewinn und oftmals sogar einen Zuwachs an keratinisierter Gingiva. Dank der idealen maschinierten Oberfläche des transgingivalen Implantatanteils kommt es in diesem Bereich zu einem regelrechten Versiegeln von Weichgewebe („Soft-Tissue Seal“). In seiner 9-Jahresstudie hebt Prof. Dr. Jürgen Becker eben diese Gewebefreundlichkeit hervor: An allen untersuchten Patent™ Implantaten fand er bei der 9-Jahreskontrolle ein Mehr an keratinisierter Gingiva. Für Prof. Dr. Becker ist dies ein einmaliger Vorgang – so etwas hat er bisher nicht erlebt. Weiterhin verzeichne ich heute keinerlei Frakturen. Wenn ich alle Patent™ Implantate, die ich während der letzten 18 Jahre gesetzt habe, addiere, komme ich auf eine Erfolgsrate von 95,8 Prozent. 

                Welche Grundüberlegungen standen hinter der Entwicklung des Patent™ Implantatsystems? 

                Ich habe das Patent™ Implantat gemeinsam mit Dr. Johan Feith entwickelt – mit ca. 40.000 gesetzten Implantaten haben wir eine Menge implantologischer Erfahrung. Im Rahmen der Brånemark-OP-Kurse, die wir seit 1994 in München und Bad Hersfeld leiteten, sahen wir – trotz guter Mundhygiene und stabiler Okklusion – oft Verluste von Titanimplantaten, die wir uns nicht erklären konnten. Heute wissen wir, dass freie Titanpartikel, die in der Umgebung von Implantaten vorliegen, das Immunsystem triggern können, was zu einem periimplantären Knochenabbau und im weiteren Verlauf zu einem Implantatverlust führen kann. Da die damaligen Systeme zudem sehr kompliziert waren, wollten wir das Ganze dahingehend vereinfachen, dass keine Schraubenzieher oder Schrauben mehr benötigt werden. Auch wollten wir das Problem der Schraubenlockerung eliminieren und den bakterienanfälligen Implantat-Abutment-Spalt aus der Tiefe nehmen. Weiter wollten wir ein Material verwenden, das das Immunsystem in keinster Weise triggert, und das der natürlichen Zahnfarbe am besten entspricht. 

                Warum haben Sie von einer verschraubten Innenverbindung, so wie sie traditionellerweise bei Titanimplantaten zu finden ist, für das zweiteilige Patent™ Implantat abgesehen?

                Prof. Dr. Andrea Mombelli hat einmal gesagt: Man darf die Baupläne der Titanimplantologie nicht einfach auf die Keramikimplantologie übertragen. Aber genau das wird mit verschraubten Keramikimplantaten getan. Anders als Titan ist Keramik starr und lässt sich nicht kaltverschweißen. Hier sind sich auch Materialwissenschaftler einig: Hart und hart kann man nicht langzeitstabil miteinander verbinden. Würde man ein Keramikimplantat mit einem Keramikabutment verschrauben, würde man einen enormen Materialstress auslösen und das Frakturrisiko erhöhen. Auch lässt sich eine Verschraubung niemals sichern – langfristig würde es zu einer Schraubenlockerung kommen. Zudem entsteht bei subgingivalen verschraubten Verbindungen unter funktioneller Belastung ein Mikrospalt, in den Bakterien eindringen – das haben Studien von Dipl.-Ing. Holger Zipprich oder Prof. Dr. Daniel Olmedo gezeigt. Unabhängig von der Art der Verschraubung und des Materials kommt es immer zu einem bakteriellen Penetrieren dieses Spalts. Die daraus resultierende Mikroentzündung kann zunächst eine Mukositis und im weiteren Verlauf eine Periimplantitis hervorrufen. Bei verschraubten Keramikimplantaten ist dieser Spalt sogar noch größer, da Keramik eben nicht duktil, sondern völlig starr ist. Diese hausgemachten Probleme wollten wir eliminieren. 

                Anstelle einer Verschraubung wird ein Glasfaserstift in das zweiteilige Patent™ Implantat zementiert. Welche klinischen Vorteile bietet dieser neuartige Aufbau? 

                Wir wollten eine Verschraubung vermeiden und den Spalt vom subgingivalen Niveau weg in die einer natürlichen Reinigung zugänglichen Region legen, nämlich epigingival und im Seitenzahnbereich sogar supragingival. Ein verklebter Zirkonaufbau hätte allerdings einen extremen Stress ausgeübt. Deshalb orientierten wir uns an dem, was die Natur entwickelt hat: Der Hauptbestandteil eines Zahnes ist Dentin, das weitaus flexibler als Schmelz im Bereich der Krone ist. Der Glasfaserstift, der als Aufbau in das Patent™ Implantat eingeklebt wird, agiert mit seinen dentinähnlichen Eigenschaften als Stressbrecher. Die Kaufunktion-stabilisierende Situation wird am Ende mit der Krone realisiert, die wiederum schmelzähnliche Eigenschaften hat. Somit ahmt das Implantat den Aufbau eines natürlichen Zahnes nach. Ein weiterer Vorteil liegt in der Revisionsmöglichkeit: Wenn ein Fiberglaspfosten Bruxismus-bedingt brechen sollte, kann dieser problemlos ersetzt werden.  

                Dr. Wolfgang Winges hat das Patent™ Implantatsystem gemeinsam mit Dr. Johan Feith entwickelt..

                Dr. Wolfgang Winges verwendet das Patent™ Implantatsystem bereits seit 2004.

                Müssen Patent™ Einsteiger in puncto Prothetik viel Neues lernen? 

                Behandler können das, was sie über natürliche Zähne gelernt haben, problemlos und einfach auf Patent™ Implantate anwenden. Auch können sie ihre Prothetik-Kenntnisse genauso weiterverwenden. Der Glasfaserstift wird im Mund genauso beschliffen wie ein natürlicher Zahn – das haben wir alle während des Studiums und beim Hospitieren gelernt. Das Implantat wird entweder mit oder ohne zementiertem Stift klassisch abgeformt oder gescannt. Es ist jedem selbst überlassen, wie er den prothetischen Workflow gestaltet. Dies ermöglicht eine Unmenge an Behandlungsoptionen. Auf Patent™ Implantate kann man Stege aufbringen, Konuskronen realisieren, man kann die Implantate mit natürlichen Zähnen kombinieren – alles, was im Bereich der klassischen Prothetik mit Titanimplantaten möglich ist, ist mit Patent™ Implantaten in gleicher Weise möglich.

                Die Herausforderung bei Keramikimplantaten lag lange Zeit in deren Osseointegrationsfähigkeit. Wie hat das Patent™ Implantat diese gemeistert? 


                Eine hohe Oberflächenrauigkeit ist für die Osseointegration von Keramikimplantaten entscheidend. Die um die Jahrtausendwende angebotenen Systeme waren mit ihren relativ glatten Oberflächen in puncto Einheilerfolg in keinster Weise mit Titanimplantaten vergleichbar. Die Krux liegt in der Herstellung: Nach dem Sintern ist Zirkon so hart, dass es sehr schwierig ist, Oberflächenbearbeitungen vorzunehmen. Nach unzähligen Versuchen, unter anderem am Fraunhofer Institut in München, haben wir einen hochkomplexen Prozess entwickelt und patentieren lassen, bei dem das Patent™ Implantat in seiner Grünkernphase bestrahlt und angeraut und erst im Nachgang gesintert wird, wodurch eine maximale Oberflächenrautiefe entsteht, die Knochenzellen lieben. Die präklinische Studie von Dr. Glauser und Dr. Schüpbach belegt, dass die Patent™ Oberfläche, mit einem Knochen-Implantat-Kontakt (BIC) von über 70% nach nur vier Wochen, ein beispiellosen Einheilerfolg erzielt. Sie ist derzeit das non-plus-ultra im Bereich der Keramikimplantologie – es gibt keine bessere Oberfläche.

                Mit bald zwanzig Jahren klinischer Anwendung und einem soliden Fundament aus wissenschaftlichen Daten präsentiert sich Patent™ als besonders evidenzbasiert. Warum ist dies für Anwender und Patienten so bedeutsam? 


                Dies ist einer der entscheidenden Vorteile des Patent™ Implantatsystems. Dr. Sammy Noumbissi, Präsident der US-amerikanischen Fachgesellschaft IAOCI, hat kürzlich gesagt, dass Patent™ das erste ihm bekannte Keramikimplantat ist, das mit 9-Jahresdaten auf den Markt gekommen ist. So etwas hat es für ihn bisher nicht gegeben. Auf Anraten unseres Patentanwalts hatten Johan Feith und ich schon zu Beginn damit angefangen, Daten zu sammeln, einen kleinen Behandlerkreis zu bilden und klinische Studien, wie die von Prof. Dr. Becker, anzustoßen. Heute ist das Patent™ Implantat in seiner Evidenzbasiertheit einmalig. Anwendern, die sich mit Keramikimplantaten beschäftigen, gibt dies ein hohes Maß an Entscheidungssicherheit – natürlich auch in der Kommunikation mit ihren Patienten.

                 
                Die Oberfläche des Patent™ Implantats ist hydrophil und zieht Blut in besonderem Maße an.

                Dr. Wolfgang Winges praktiziert Implantatchirurgie seit nunmehr 34 Jahren. Er ist in der deutschen Stadt Bad Hersfeld in Hessen ansässig.

                Titanimplantate gelten noch immer als Versorgungsstandard. Welche Rolle wird die Patent™ Technologie Ihrer Meinung nach in der „Mainstream-Implantologie“ spielen?

                Jetzt, da wir genügend Beweise dafür haben, dass Patent™ Implantate die Stabilität und Gesundheit der Hart- und Weichgewebe über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können, haben wir als Branche die Verantwortung, die bisherigen Definitionen von Implantaterfolg zu überdenken. Dr. Feith und ich haben uns bei der Entwicklung des Patent™ Systems die Frage gestellt, ob es akzeptabel ist, langfristige Komplikationen wie Schraubenlockerungen und periimplantäre Infektionen bei unseren Zahnersatzbehandlungen mit einzukalkulieren. Uns beiden war von Anfang an klar, dass wir gegenüber unseren Patienten und unserem Berufsstand die Verantwortung haben, die klinische Leistungsfähigkeit der Technologien, die wir zur Reparatur und zum Ersatz lebenswichtiger menschlicher biologischer Strukturen einsetzen, ständig weiterzuentwickeln. Wir als Berufsstand haben die Verantwortung, die Grenzen des Erfolgs zu erweitern, anstatt eine Lösung wiederholt instand zu setzen, die mit der Zeit immer schwieriger zu erhalten ist. Patent™ ist das erste Implantat seiner Art, das diese Leistung in puncto Patientengesundheit erbringt, und ich weiß, dass das Team von Zircon Medical eifrig daran arbeitet, auf unserer Erfolgsbilanz weiter aufzubauen. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt!



                Mit dem Patent™ Implantatsystem zum Langzeiterfolg
                Interview mit Dr. Paul Lee, Gründer von INTEGRA Luxemburg